
colloquium48 - Musikalischer Naturalismus
Christoph Haffter
Das Naturverhältnis des Menschen ist in einer Krise. Die menschliche Beherrschung der Natur schlägt gegenwärtig in die Zerstörung der Naturgrundlagen des Menschen um. Die Krise des Naturverhältnisses zeigt sich auch in der Kunstmusik des 20. Jahrhunderts: Sie bezieht sich auf vielfältigste Weise auf Naturhaftes. Anders als in der Literatur oder Malerei kennt die Musik jedoch merkwürdigerweise keinen Naturalismus als etablierten Stilbegriff. Zwei Fragen drängen sich auf: Was ist hier überhaupt unter «Natur» zu verstehen? Und wie kann Musik auf solche «Natur» Bezug nehmen? Anders gefragt: Was wäre ein musikalischer Naturalismus?
Im Rahmen des colloquium48 möchte ich folgende Doppelthese vorstellen und mit den Teilnehmenden diskutieren: Relevant für die Musik sind drei unterschiedliche Begriffe von «Natur» – ein wissenschaftlicher, ein vorwissenschaftlicher und ein ästhetischer Naturbegriff. Diesen Begriffen entsprechen die musikalischen Naturalismen der algorithmischen Komposition, der musique concrète und der Komposition von Soundscapes.
Christoph Haffter studierte Philosophie und Musikwissenschaft an der Universität Basel, der Université Paris 8 (Vincennes-St.-Denis) und der Humboldt-Universität zu Berlin, wo er seinen Master in Philosophie erlangte. Er war Mitglied der eikones Graduate School der Universität Basel. In Basel erfolgte 2022 seine Promotion in Philosophie. Die Doktorarbeit trägt den Titel „Musikalischer Materialismus. Eine Philosophie der zeitgenössischen Musik“. 2018 forschte er als Visiting Scholar bei Prof. Lydia Goehr an der Columbia University in New York. Von 2019-2022 war er Assistent bei Prof. Emmanuel Alloa am Lehrstuhl für Kunstphilosophie der Universität Fribourg. Daneben war er als Redakteur der Musikzeitschrift Dissonance und als Musikkritiker für Zeitschriften und Radios tätig.
Datum und Zeit
13.12.2022, 19:00–21:00 Uhr iCal
Ort
Musik-Akademie Basel, Raum 6-301
Veranstaltet durch
Hochschule für Musik Basel, Klassik