Weiterbildung, CAS Agile Leadership

COVID-19 als Steilpass für eine digitale Transformation im Unternehmen

7. April 2021

“Working from Home/Homeoffice”

Wie ein Tornado hat Corona alle Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Unternehmen gezwungen von einem Tag auf den anderen von zu Hause aus zu arbeiten. Dies war nicht nur für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine neue und herausfordernde Situation, sondern auch für die Unternehmen und Institutionen. Innert kürzester Zeit mussten sich alle Parteien anpassen, um das Tagesgeschäft weiterhin am Leben zu erhalten. Dieser Blog soll kurz und einfach etwas provozieren und hinterfragen, wie sich Bedürfnisse innerhalb von Monaten ändern und neue Arbeitsformen entstehen können. 

Eine fast vergessene Zeit…

Man mag sich kaum mehr daran erinnern, aber es gab auch eine Zeit vor Corona. Die meisten Unternehmen hatten grosse Büros und ständig ausgebuchte Sitzungszimmer. Mit der Empfehlung des Homeoffice im ersten Lockdown und mit der Homeoffice-Pflicht im zweiten Lockdown hat sich dies schlagartig geändert. Büros sind wie ausgestorben und die Sitzungszimmer bleiben unbenutzt. Trotzdem existieren die Unternehmen weiterhin und die anfänglichen Bedenken in Bezug auf Qualitäts- oder Effizienzverlust scheinen langsam zu verstummen. 

Haben sich unsere Bedürfnisse verändert?

Vor der Corona-Pandemie waren viele Angestellte neidisch auf die Kollegen oder Freundinnen, welche regelmässig Zeit im Homeoffice verbrachten. Oftmals gab es Vorurteile, dass man ja von zu Hause aus gar nicht richtig effizient und produktiv arbeiten könne. Ein bisschen Neid spielte allerdings in diesen Aussagen immer mit. 

Mittlerweile sind viele Angestellte seit mehreren Monaten im Homeoffice und sehnen sich nach ihrem Arbeitsplatz im Büro. Man sollte doch meinen, die Leute seien zufrieden, da ihr Wunsch in Erfüllung gegangen ist und nun mehr Zeit für die Familie, Sport oder sonstige Aktivitäten verfügbar wäre. Die Realität zeigt aber ein anderes Bild. Das Arbeitspensum im Homeoffice ist vielmals drastisch gestiegen, die Pausen wurden weniger und alle sonstigen Aktivitäten finden in den gleichen vier Wänden statt. Die Leute sind mental müde geworden. 

Was sind die Ursachen?

Arbeitnehmer sowie Arbeitgeberinnen mussten sich mit der Umstellung vielen neuen Herausforderungen stellen. Dabei ist die aufgezeigte Liste nicht einmal abschliessend, soll aber eindrücklich aufzeigen, welche komplexen Problemstellungen praktisch über Nacht aufgetaucht sind.

Als Arbeitnehmerin musste man sich plötzlich mit Homeschooling (falls man Kinder hat) beschäftigen und gleichzeitig sicherstellen, dass von zu Hause aus überhaupt gearbeitet werden kann. 

  • Ist ein Schreibtisch vorhanden? 
  • Gibt es ein Büro? 
  • Reicht das Internet aus etc.? 
Quelle: ZHAW

Diese Herausforderungen galt es oftmals gleichzeitig zu lösen, während die Kinder nicht mehr zur Schule gehen durften. Praktisch die komplette Work-Life-Balance wurde auf den Kopf gestellt. 

Die Unternehmen mussten sich ebenfalls mit dem aufgezwungenen digitalen Wandel befassen. Es gab reihenweise IT-Probleme zu lösen. Sind genügend VPN-Lizenzen vorhanden für den externen Zugriff? Kann der Datenschutz noch gewährleistet werden? Haben unsere Mitarbeitenden adäquate Hardware zur Ausübung des Berufes? Es mussten Hotlines und Care-Teams aufgestellt werden, um die Mitarbeitenden auch im Homeoffice betreuen zu können. 

Im Bezug auf Leadership wechselte man praktisch innerhalb von Tagen von einem persönlichen Kontakt zu einem digitalen Führungsstil. Mitarbeitendengespräche und Teammeetings werden via Teams, Zoom, Skype oder Ähnlichem abgehalten. Unternehmen mussten sich neuen Führungsinstrumente einfallen lassen, um das Ruder im Homeoffice nicht ganz aus der Hand zu geben. Teilweise mussten Unternehmen den Mitarbeitenden plötzlich vertrauen, dass die Arbeiten auch ohne Kontrolle des Chefs, der Chefin erledigt werden. Kann das nur gut gehen? 

ArbeitnehmerUnternehmer
HomeschoolingLizenzprobleme (z.B. VPN)
Kinderbetreuung wegen SchulausfallDatenschutz gewährleisten
Allgemeine Infrastruktur (separater Raum für Sitzung etc.)Hardware zur Verfügung stellen (Homeoffice)
IT-Infrastruktur (Laptops, Bildschirme, verfügbare Bandbreite Internet etc.)Software/Applikationen ausserhalb von VPN (Performance-Probleme vs Datenschutz)
Mentaler AspektFührung im Homeoffice
Work-Life-BalanceCare-Programme aufstellen (Anlaufstelle)

Wohin führt dieser erzwungene digitale Wandel?

Zuerst muss klar gesagt werden, dass der digitale Wandel vorher schon rasant vorangeschritten ist. In bestimmten Branchen und Unternehmen schneller, in anderen langsamer, aber das Coronavirus hat uns sicherlich alle auf den Schnellzug aufspringen lassen. 

Nun, nach mehr als einem Jahr mit dem Virus und der Existenz von Menschen, die immer noch denken, es verschwindet einfach wieder, sind die Leute und Unternehmen müde geworden. Die sozialen Aspekte des Büros fehlen genau so wie eine klare Abgrenzung von Privat- und Berufsleben. Natürlich kann jede Person diese Herausforderungen unterschiedlich gut handhaben, aber die Mehrheit der Personen wünscht sich einen Teil ihres “alten” Lebens zurück.

Die letzten zwölf Monate haben gezeigt, dass Unternehmen und Arbeitnehmer, Arbeitnehmerinnen flexibel sein müssen, um auf bestimmte Situationen reagieren zu können. Diese Flexibilität wird sich in der Arbeitswelt manifestieren und neue Arbeitsmodelle werden entstehen oder sind bereits entstanden. Es gibt bereits Firmen, die während der Pandemie das komplette Arbeitsmodell auf Homeoffice umgestellt haben. Ganz so extrem muss der Schritt nicht sein. Jedoch werden die Unternehmen und die Mitarbeitenden sich wohl weiterhin eine bestimmte Flexibilität in Bezug auf das Arbeiten im Büro und im Homeoffice offen halten. Zukünftig wird man sich vielleicht einen Platz im Büro reservieren müssen oder man trifft sich nur noch für Sitzungen. Die Arbeitsplätze werden zu Sitzungszimmern umgebaut, um der Problematik der ausgebuchten Sitzungszimmer vor Corona entgegenzuwirken. Unternehmen wissen, dass sie weiterhin erfolgreich sein können, mit mehr Vertrauen in die Mitarbeitenden. Der Führungsstil wird sich entsprechend anpassen und es wird hybride Form zwischen physischer und digitaler Führung entstehen. 

Was meint ihr dazu? Komplett falsch interpretiert oder noch extremer? ….

Literaturquellen:

Autorenteam:
Dominik Hürner
Pierluigi Spallino

CAS Agile Leadership in IT

Persönliche Beratung

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Frederik Thomas (FHNW, Programmleitung)
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Schlagworte: Agile Leadership, Business, Digitale Transformation, IT Service Management

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